The Face Blog

Begegnungen mit Menschen werden wir erleben, und einige Gesichter möchte ich euch davon zeigen....

Dimitri & Charia
27.05.16

Mittlerweile bin ich in Molivos gelandet, doch bevor ich noch weitere Geschichten von der Insel berichte, muss ich euch noch von meiner Begegnung mit Dimitri und seiner kleinen Freundin Charia berichten.
Ich traf Dimitri zusammen mit Odysseas in einem Café am Platz Keramikos, um mich mit ihnen über das bevorstehende Art-of-Hosting Training in Athen zu unterhalten und Einsicht in ihre Situation zu bekommen. Sie haben meine Kontaktaufnahme sehr begrüßt und wir hatten einen guten Austausch, wie es so in Athen läuft.
Als sie von meinem Blog erfuhren und dass meine weitere Reise mich nach Lesbos führen wird, bot Dimitri an, mich zu einer Schule zu begleiten, wo ungefähr 300 Flüchtlinge untergebracht sind.
Ungefähr um die Mittagszeit setzen wir uns ins Taxi, um dieses Gebäude in Exarchia aufzusuchen.
Exarchia ist DER Bezirk Nahe dem Likabitos – dem Berg, der die Akropolis überragt – und bis zu dem geschichtsträchtigen Platz Omonia reicht. Bis die Linke „Syriza“ ins Parlament einzog, war der Bezirk seit Dezember 2008, anlässlich eines traurigen Ereignisses von der Polizei schwer bewacht und abgeriegelt. Raus und rein durfte nur, wer sich ausweisen könnte. Zur Zeit ist Exarchia vorwiegend unauffällig und ruhig, nur noch gelegentlich entflammen Molotov-Cocktails vereinzelt Busstationen und „Syriza“ hat die Polizei wieder abgezogen.
In diesem Bezirk finden wir gegenüber einer Kirche die aufgelassene Schule, die schon seit Jahren von Obdachlosen besetzt war. Nachdem diese abgezogen waren stand das Gebäude leer und freiwillige Engagierte quartierten Flüchtlinge, vorwiegend Familien ein.
Wir gingen durch den Eingang (siehe Foto) und fanden eine nahezu ausgelassene Stimmung im Schulhof vor. Kinder aller Altersgruppen spielten oder hörten laut Radio und tanzten dazu. In einem Eck des Hofes waren Tische aufgestellt, von wo aus die freiwilligen Helfer Essen verteilten.
Dimitri, meine Tochter Lilith und ich unterhielten uns, wurden neugierig und ohne Scheu beobachtet, angestupst und wir alberten herum. Sofort hüpfte ein kleines Mädchen, ungefähr 3 Jahre alt in Dimitris Arme und drückte sich an ihn.
Dimitri wird 30, er arbeitet für den Konsumentenschutz in Athen und nebenbei unterstützt er als Freiwilliger mehrere dieser besetzten Häuser. Das Mädchen nennt er liebevoll „i Agapi mou“/“seine Liebste“. Er weiß nicht viel über sie, nicht einmal, ob sie mit ihren Eltern hier ist, denn er hat diese nie gesehen. Er nimmt Charia einfach so, jedes Mal, wenn er da ist, trägt sie mit sich herum und Charia freut sich offensichtlich und genießt es.
Plötzlich schwillt die Lautstärke im Hof an, alle stellen sich hastig vor Aufregung in einer Reihe an: Es gibt Eis!!!
Aus Respekt lassen wir ab von einer Besichtigung durch das Gebäude und von Fotos, doch wir nehmen herzliche Eindrücke mit.

Hier noch ein Link zur Schule: https://www.facebook.com/751322344885083/videos/1344382658912379/


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